Wucherer

Stellen Sie sich bitte einmal vor: Sie gehen zu einer Bank und bitten um einen Kredit. Sie werden also nach Ihrem monatlichen Einkommen gefragt werden, woher das stammt und wie hoch es sei, und stellen Sie sich vor Sie würden dann antworten: Ich verdiene mein Geld als Spieler in diversen Kasinos, mein Einkommen ist hoch. Also, es wird vielleicht einmal hoch sein, bisher lebe ich noch von dem Geld, dass ich mir von anderen Banken geliehen habe, es ist verbraucht (sagen Sie lieber: investiert), und nun brauche ich von Ihnen frisches Kapital. Nun, man wird Sie an die Bundesregierung verweisen, die möge für Sie bürgen, eine Antwort, die nur vorstellbar ist, sollte ihr Sachbearbeiter Humor haben, wahrscheinlicher ist, dass man Sie einfach rausschmeißt, einen Arzt oder die Polizei holt, Alternativen, die für mich nicht ohne Humor sind. Ein Witz, verstehen Sie: Ein Banker ruft die Polizei oder einen Arzt…

Eine ein wenig schlichte Analyse der derzeitigen Finanzkrise, aber wie Tucholsky schon anmerkte: So, wie sich Klein Fritzchen die Weltgeschichte vorstellt, so ist sie auch. Die Banken haben sich gegenseitig Geld geliehen, um es an der Börse auf Schwarz zu setzen, und als sie gemerkt haben, dass alle Banken so arbeiten, ist das System zusammen gebrochen, man spricht von einer Vertrauenskrise, natürlich trauen sich Zocker am allerwenigsten untereinander, nur selbst Betroffene wissen doch, wie unwahrscheinlich es ist, auf Dauer zu gewinnen in diesem System der Spekulation auf sein eigenes Glück. Auch das entbehrt aber für mich nicht einer gewissen Komik: Wie Narren haben sie sich gegenseitig belogen und betrogen. Ich glaube nicht, dass sie von dem gegenseitigen Spiel gewusst haben, dazu scheinen mir die Damen und Herren Banker nicht intelligent genug zu sein, und sollten sie es sein, so wird diese Klugheit anscheinend geblendet von einer ekligen Gier nach eigenem Profit.

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in bearbeitung

von ungesagt

was kann schon werden.aus einem tag.der um fünf uhr morgens damit beginnt:die pisse eines anderen wegzuwischen.mit abgeblättertem nagellack und augenringen.überhaupt mehr alles andere.als augen.und zuerst bin ich böse und schimpfe und beinah auch:weine.aber dann.dann bewundere ich das fast.er lässt es eben:einfach laufen.resigantion in ihrer vollsten konsequenz.und das:bewundere ich.denn ich.ich flicke noch meine herzteile zusammen und gehe arbeiten.oder mache eben dinge.wenn auch gebrochen.
und weinend.schreie:ich will sterben.in den telefonhörer.und höre dann auch im hörer:ein weinen.
k. kommt und sagt:du musst essen.f. kommt auch.mit gras und all dem.weil er weiß,dass man hier mit zigaretten nicht mehr weiter kommt.aber der tabak fällt mir immer wieder aus den händen.und dann dreht f. für mich.mein kopf sinkt gegen erde.bis f. ihn aufhebt.mit beiden hände.und mich küsst.und meinen namen sagt.und dann fast böse:reiss dich zusammen.und ich lache ganz laut.weil:das ist es doch.dass bei mir kein reissen mehr möglich ist.

Gelesen

was

von ungesagt

was kann ich
dir sein?

in der lauten
welt

was kann ich
dir mehr sein?

als schweigen
-
ein herz
das den lärm
für dich
filtert

die stille
atme ich
aus
-
hörst du?

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Nunja

Nun.jpgNun.jpgNun.jpgNun.jpgNun.jpg

Foto: 42553 Neviges

Nunja,…wie die Dinge ihren Reiz verlieren, wenn man sie trennt, und wenn man sie auch nur trennt, um eine Ordnung herzustellen, wieder herzustellen, nach Regeln, an die man sich gewöhnt hat oder gewöhnen musste, aber die Dinge verlieren ihren Charme, ihren Sinn, ihren Wert, meinetwegen, und am Ende ist alles Inordnung und es Istnichts und es ist ein Nun und ein Ja.

Und ich verstehe nichts von Autos, und interessiere mich nicht für sie, selbst für die nicht, die ich selbst fahre, und oft weiß ich weniger über sie als über mich selbst. So hatte ich mir einmal einen Wagen geborgt, das ist eine längere Geschichte, eine andere Anekdote. An dem Abend, ich hatte ihn etwa zwei Wochen gefahren, da musste ich abends noch tanken, und an der Tankstelle war ich der einzige Gast. Müde war ich damals, ständig todmüde, und vieles musste ich erledigen wie ein Automat, auch das Bezahlen an der Tankstelle, und weil ich immer vergesse, mir die Nummer der Zapfsäule zu merken, sagte ich eben:

„Der rote Peugeot, was macht das, bitte“, zählte dabei mein Geld, - oder: was man so macht.

Aber dieser Blick der Kassiererin, so seltsam sah sie mich an, so misstrauisch, und ich fragte:

„Stimmt etwas nicht“, denn es stimmt ja ständig irgendetwas nicht, vor allem, vor allem nicht, wenn es um Geld geht, am Schluss.

„Das ist kein Peugeot, das ist ein Renault“, und ich weiß nicht mehr, was ich dachte bei dieser Antwort, meistens denke ich: Albernedetails, wie schön wäre das Leben ohne diese albernen Details.

„Wie auch immer: wenn es dadurch billiger wird“, ganz bezaubernd: mein Lächeln dazu, und dieser Charme, und die Dame überlegte kurz, ob sie das Angebot annehmen sollte, Lächeln und Charme, aber billiger wurde es dadurch natürlich nicht, und als ich wieder in dem Rotenauto nach Hause fuhr, dachte ich darüber nach, dass es noch Ärger geben könnte, heute. Spektakulären Ärger, eben.

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Texte

Ciao

Heute heißt es Abschied nehmen für mich, aber: Nicht zu früh gefreut, bitte, Abschied nehmen nur von diesem Team und damit von dieser Kolumne. Dieses hier ist eine Jugendkolumne, und wer auf mein (biologisches) Alter schaut, der weiß sofort: Es ist ja allerhöchste Zeit. Es wird auch kein sehr sentimentaler Abschied werden, wir haben uns schon untereinander im Team über den schweren Verlust getröstet.

Gegründet wurde diese Kolumne 2006 von mir in meiner Zeit als Jugendvertreter unseres kleinen Forums, die Idee dahinter: Den jungen Kollegen die Möglichkeit zu geben, einmal ihre Meinung in Kolumnenform zu äußern, als feste Teammitglieder oder als Gastschreiber, und zwar zu jedem beliebigen Thema und soweit es die Nutzungsbedingungen dieses Forums erlauben und damit der Anstand überhaupt. Bisher ist das fast zwei Jahre lang gelungen, jeden Montag ein Thema zu finden, fast jeden Montag, ein einziges Mal nicht, - da war ich nach dem letztjährigen Jahrestreffen in Marburg noch zu zerschlagen, um eine Kolumne zu schreiben, aber sonst: Jeden Montag.

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Neue Covervorschläge

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von tausendschön, für unsere Jugendanthologie, - ganz herzlichen Dank.

Heldenwüste (Nordfriesland)

von Micchan

Legendär! Und an den Moment, in dem wir schlammspritzend in kurzen Hosen der Sonne entgegenliefen, werde ich mich hoffentlich noch oft errinern.

Das hat mit Postkartenkitsch überhaupt nichts zu tun, nur leider haben viele herzförmige Bilder die echte Schönheit vergewaltigt, viele miserable Filme haben die Sonne am Abend missbraucht, um irgendeine unwichtige Liebe von hinten mit einem bisschen Gold zu beleuchten.

Aber unsere Sonne hing nicht platt und zerknittert an der Wand, sondern königlich am Himmel und verwandelte Matsch und Wasser in eine glitzernde Wüste für uns, vier Helden.

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