Mit Franken zanken
von KeinB
Im Oktober jährt sich mein Zuzug nach Nürnberg zum vierten Mal. Inzwischen wohne ich hier in der zweiten Wohnung, natürlich wieder Altbau, 3.OG, ohne Aufzug – man gönnt sich ja sonst nichts und – und das muss ich zweifelsfrei zugeben, im Vergleich zur ersten Wohnung in Nürnberg ist meine jetzige ein Traum. Meine Vermieter sind handzahm, das Haus ist sauber und der winzige Hinterhof mit Wäschespinne und lächerlich kleiner Rasenfläche ebenfalls. Mein direkter Nachbar ist eine Mischung aus Peter Lustig, Jean Pütz und dem Sendung-mit-der-Maus-Christoph. Er bastelt, erklärt, und erzählt nebenbei noch ganz andere interessante Dinge. Von sich selbst behauptet er steif und fest, er sei Franke. Ich glaube das nicht.
Das ist nämlich das einzige Problem an diesem Haus. Die Franken. Im Haus wohnt die Cousine der Hausbesitzerin, letztere eine nette Dame mit angenehmem, weil schweigsamem Gatten, wohnhaft in Österreich und nur alle Schaltjahre mal zur Inspektion vor Ort. Erstere hingegen…
Erinnern Sie sich noch an Else Kling? Fräulein Rottenmeier? Oder an Frau Prysselius AKA Prusseliese?
Denken Sie sich eine von diesen Damen doch mal dreißig, vierzig, nein, fünfzig Jahre älter, verwitwet, alkoholkrank, gelangweilt - außer natürlich Sie haben an Else Kling gedacht - und mit einer großen Portion so genannter „fränkischer Mentalität“ gesegnet. Das wäre dann Frau B., meine Hausverwaltungsdingsdakeineahnungwasgenaueigentlich.
Eine von denen, die vor lauter Langweile den ganzen Tag über nichts Besseres zu tun haben, als sich mit den beiden erdgeschössigen Damen bei einer Tasse Tee oder einem Kurzen zusammenzusetzen und über das seltsame Paar im dritten OG zu lästern. Eine jener mit Habichtsaugen gesegneten, rüstigen älteren Damen, die kein Blatt vor den Mund nehmen, aber dennoch alles über drei Ecken ausrichten lassen.



