Auszeiten
Keine Angst, ich schreibe jetzt nicht jede zweite Woche, Frau KeinB ist krank, und wir verstehen uns im Team so gut, dass sich unsere Anwälte schon nach drei Tagen über die Modalitäten einer Vertretung geeinigt hatten. KeinB schreibt also nächste Woche für mich, verzichtet dafür zu meinen Gunsten auf ihr Honorar, übrigens: Für das, was ich hier von der Chefin als Honorar für diese Vertretung überwiesen bekomme, würde ich normalerweise keinen Zweizeiler schreiben, ich mache das als Idealist aus reiner Sympathie für unsere junge Kollegin, aber das nur nebenbei. Gute Besserung also, liebe Kollegin, Gott sei Dank gibt es keinen Grund bereits über Nachrufe nachzudenken oder Kerzen in kalten Kirchen anzuzünden, die Röntgenaufnahmen und das CT, die mir ihr Anwalt geschickt haben, zeigen eindeutig: Nur eine Influenza. Was heißt „nur“…
Andere, die weniger hart im Nehmen (und auch weniger intelligent) sind als unsere liebe Kollegin, würden jetzt eine Auszeit nehmen, mit der Begründung, also ungefähren Begründung: In meinen letzten Stunden denke ich an Wichtigeres als an KV… Tatsächlich denken sie an Wichtigeres, nämlich an die Beileidsbekundungen der Kollegen, an die vielen Nachfragen, kurz: Aufmerksamkeit zu erlangen auf womöglich zweifelhafte Weise. Und ebenso wieder bei ihrer Rückkehr. Mir wurde der Fall eines Kollegen berichtet, der mittlerweile fast alle Krankheiten der Welt überlebt hat, vom Fußpilz bis zum Gehirntumor, und der immer dann erkrankt, wenn die Veröffentlichung seines neuen Textes kurz bevor steht. Alle Krankheiten scheinen dabei erfunden zu sein, und die einzige Krankheit, unter der er tatsächlich leidet (nicht ganz dicht in der Birne) gibt er als Grund nicht an. Bisher nicht.

