Planspiel Börse. Von Kindern und Diktatoren

von para.gone

Ich habe neulich eine Studie gelesen, in der Kinder und Jugendliche das Diktatorspiel gespielt haben. Klingt grausam, ist es aber nicht: Das Diktatorspiel ist ein spieltheoretisches Paradigma, das daraus besteht, dass eine Person bzw. eine Gruppe – der bzw. die Diktator(en) – eine vorgegebene Menge an Geld zur Verfügung haben, also z.B. 20€, die er/sie unter sich und einer unbekannten anderen Personen bzw. Gruppe aufteilen müssen. Der andere Spieler kann das vom Diktator gemachte Angebot hierbei nicht ablehnen. Dabei erhält, wenn die Gruppenvariante des Spiels gespielt wird, jedes Gruppenmitglied genau soviel Geld, wie der eigenen Gruppe zugeteilt wurde; wenn sich also für eine 50:50-Aufteilung entschieden wird, erhält jeder Diktator 10€ und jedes Mitglied der anderen Gruppe ebenfalls 10€.In diesem konkreten Fall wurden also jeweils drei Kinder unterschiedlicher Altersstufen in einer Gruppe von Diktatoren zusammengefasst und standen vor der Aufgabe, über die Verteilung von Geld in etwa der Höhe ihres wöchentlichen Taschengeldes zu diskutieren. Was mich am heftigsten dabei überraschte, war, abgesehen von der Tatsache, dass die Gruppenentscheidung häufig stark von dem Einfluss desjenigen Kindes abhing, das auf dem moralisch höchsten Level argumentierte, die häufigste Aufteilung, welche die Gruppen vornahmen. Nämlich: 50:50. 10€ für dich, 10€ für mich. (Wen die ganze Studie interessieren sollte, bitteschön, hat aber ansonsten eigentlich wenig mit dem Thema zu tun: Blackwell Synergie

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Heimweh

Heimweh.jpgHeimweh.jpgHeimweh.jpgHeimweh.jpgHeimweh.jpgHeimweh.jpgHeimweh.jpg

Und als sie vor dem Bild standen, Magritte: „Heimweh“, fragte er sie, wie gefällt Dir das Bild, und sie sagte, der Löwe muss weg, der Löwe?, fragte er, oder der Mann, sagte sie, der Mann?, oder beide, beide?, fragte er, oder die Lampe, sagte sie, die Lampe?, oder das Geländer, das Geländer?, oder die ganze Brücke, die Brücke?, fragte er, oder der Hintergrund, sagte sie, der Hintergrund?, denn er ist zu gelb, zu gelb?, fragte er, weil: das Heimweh ist doch wie eine leere Leinwand, leere Leinwand?, fragte er, man weiß nicht: wonach, wonach?, fragte er, ich weiß das nicht ,sagte sie, Du?, und dann fragte er, willst Du mich heiraten, und sie, sie lächelte, oder sollen wir weitergehen zum nächsten Bild, fragte er, und sie, sie: lächelte.

Texte

Über die Natur.

von Micchan

Ich schreibe nicht mehr
denn was gibt es noch zu sagen
über das Blau der Himmel und Meere
das Grün der Wiesen und Wälder
die schwarze Pest
und das Gold der Felder und des süßen Honigs.

Ich weiß nicht, wer den Himmel grün und die Felder blau gemacht hat
und warum die See träge
ihre dunkelroten Wellen schlägt

Es langweilt mich, tagein auf zartblauen Wegen zu fahren.
Tagaus streben die Butterblumen am Straßenrand
wie eh und je.

Nichts verändert sich!
Worüber noch schreiben!
die grünen Wiesen scheinen so
absonderlich heute morgen.

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Warum man rechtzeitig anfangen sollte zu lernen.

von Kindermund

In der letzten Schulwoche vor den Prüfungen lesen uns alle Lehrer Lerntipps aus dem Focus vor. Langsam macht sich unter allen ein hibbeliges Gefühl breit. Es sind noch drei Wochen bis zu den Prüfungen. Mit der Vorbereitung begonnen hat noch niemand. Es gibt andere Dinge: Die letzten Arbeiten, die noch über die Jahresfortgangsnote entscheiden, die Vorbereitung für die Feier zum letzten Schultag, ach ja, und: Party machen.Zwei Wochen vor den Prüfungen. Der letzte Schultag ist vorbei. Noch heiser von Schlachtrufen wie: „Abi..“ – „08!“ – „Nie wieder…“ – „Schule!“ und verkatert von der Party danach beginnen die ersten mit dem Versuch, sich mit ihren Heftern anzufreunden. Ganz vorne mit dabei: die Geschichtsleistungskursler und die Biologen. Zu letzteren gehöre ich.
Es gibt Dinge, die man in der Prüfungszeit nicht tun sollte. Zum Beispiel Seitenzählen. Eine Viertelstunde und 300 Seiten später bin ich deprimiert. Nichts desto trotz beherzige ich die Tipps aus dem Focus und fange ergeben mit dem Lernen an.

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Mahlzeit

Unser heutiger Gast: BrigitteG, vielen Dank für den Beitrag und: Herzlich Willkommen.

BrigitteG:

Es fing im vorigen Jahr an, bei einem Betriebsausflug, und ich hatte nie zuvor daran gedacht. Ein ganz unvertrauter Gedanke, eine Idee, zuerst nur vage in meinem Kopf. Dann wurde sie, als ich so nahe dran war an den Männern und Frauen, immer intensiver, und ich konnte diese Vorstellung nicht mehr aus meinem Kopf bekommen.

Es war das Mittagessen, natürlich.

Vor dem Ausflug mussten damals alle, die mitfahren wollten, ankreuzen, welches Mittagessen sie wollten: zur Auswahl stand ein Salat mit Putenbruststreifen, Hähnchencurry mit Reis und Gemüse, oder ein Rinderbraten mit Knödeln. Wir saßen in diesem großen Restaurant, bekamen unser Essen, ich schaute mich gedankenverloren um und war geplättet. Absolut alle Kolleginnen hatten entweder den Putenbrustsalat oder den Hähnchencurryreis, absolut alle Kollegen den Rinderbraten. Und wir waren ca. 70 Leute.

Ab da fing ich an zu beobachten, ob Frauen und Männer unterschiedlich aßen. Es gab weniger fettes Essen bei Frauen, regelmäßiger Salate, und immer wieder Gespräche zwischen ihnen: ein Austausch darüber, warum man sich diesen oder jenen Nachtisch nicht leisten könne und wann man ein schlechtes Gewissen beim Torte essen habe. Die Zeit, in der die Frauen sprachen, nutzen die anwesenden Männer zum Essen.

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Schwere

von A.J.

Ein wilder Traum aus Blei
hat mich geweckt.
Mit dunklen Zungen leckt
er immernoch an mir
(er riecht so grau, wie hier
der Tag…)

Du kochst Kaffee,
als ob nichts sei.

Dein Blick fragt ehrlich, wie es mir heut geht.
Ich suche nach der Antwort an der Wand,
(und finde nur die Küchenuhr, die steht).
Fast schüchtern streifst du, flüchtig, meine Hand.

Mir tut der viele Regen weh:
er tropft die glatte Welt so kraus.
Die alte Lampe flackert grell
(du weinst)
und meine linke Hand hält
tapfer eine Tasse heiße Schwärze aus

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titelbla

von ungesagt

erschöpft bin ich.was man sich selbst einbrockt,soll man auslöffeln.vielleicht ist das,was du gelernt hast.also kannst du gar nicht anders,als die kelle zu schwingen,aus dem vollen zu schöpfen und mich leer zu fressen.
ich starre dein zerknittertes hemd an,das so achtlos über der stuhllehne hängt und denke daran wie meine mutter mir immer eine reingehauen hat,wenn ich beim bügeln eine falte übersah.knitterfrei außen,faltig innen.das ist,was ich gelernt habe.
du kriegst keinen mehr hoch,aber ich bin diejenige,die dir zu schlaff geworden ist.gar nicht mehr schlagfertig.eher so:defensiv.abwartend.
wie soll man denn ausholen,wenn die spannweite die maße der gegebene räumlichkeiten weit übertrifft?
ich kauere.ich rauche.ich trinke.du nennst mich:ruppig.ich nenn das:kleines mädchen.
früher stapelte man legosteine,aus denen irgendwann worte wurden.
ganze türme.sandburgen.luftschlösser.
ich habe mit glasscherben gespielt,statt mit puppen.blaurotgrün habe ich sie auf den straßen gesammelt und vor dem haus vergraben.erdgefärbte kinderhände,die einen stift halten.das sind meine kleinen geheimnisse.
mein schweigen ist kein schweigen.es klebt mir unter der zunge.wortgewaltig.ich schmecke die bewegungen.es ist das glitzern in meinen augen.
die ausbrüche werden immer seltener,umso öfter aber die einbrüche.
wenn man morgens das haus verlässt und nie weiss in welcher verfassung man es vorfindet,wenn man abends wieder nach hause kommt.so in etwa verhält es sich.
du musst die mir zugefügten verletzungen ertragen.das ist die antwort darauf,warum ich dich leiden lasse und ruhig dabei zusehen kann.
ich habe keine lust mehr mich zu verschanzen.
ich möchte der grund dafür sein warum du lachts.und es muss weh tun.
wir können eis essen gehen und händchen halten.im zug ficken oder einfach nur schwarz fahren.oder beides.oder ganz korrekt ein ticket lösen und einfach nur aus dem fenster gucken.du rechts,ich links.oder andersrum.und manchmal zusammen.
ich möchte nicht,dass du mir die andere wange hinhälst,sondern dass du zurück schlägst.
du kannst aus mir keinen besseren menschen machen.
aber du kannst mich mensch sein lassen.

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