von lebendigbegraben

„Die Deutschen sind zu dick!“
Zugegeben, es gibt auch übergewichtige Amerikaner (sehr viele sogar!), Italiener, Spanier und Leute aus diversen anderen Staaten, aber die Deutschen sind zu dick!
Den Satz kennt nicht nur jeder, so ziemlich jede Frau (wenigstens die aus meinem Bekanntenkreis) kann sich damit identifizieren. Diverse Männer ebenfalls, und überhaupt – die Deutschen sind zu dick!
Und nun wissen wir auch endlich warum. Es liegt nicht daran, dass McDonald’s ungesundes Essen verkauft. Es liegt auch nicht daran, dass die Deutschen sich zu wenig bewegen. Nein, der Grund liegt an anderer Stelle – das Hirn ist Schuld. Und das (symbolische) Herz macht mit!
weiterlesen…
von A.J.
Ich bin nicht hier. Hänge nicht unter hohen Decken in diesem Schachtelzimmer mit unverbaubarer Aussicht nach unten, kaltes Winterlicht durch milchig vertuchtes Glas. Du bist es, du, mit fahlem Gesicht, das Absinthglas in der Hand, man muss Klischees bedienen sagst du, also Absinth. Bitter mit ein wenig Süße, so muss es sein, denke ich, die Hand am Glase wie abgebrochen fern.
Stimmen knistern durch die papiernen Wände. Da sind andere, zwischen den Türen, nur hier, hier ist niemand, bloß eine ferne Hand und ein Glas und immer wieder dieses Lied. Noch einmal, sagst du, noch einmal, und ich gebe nach und spiele es, ein letztes mal, hörst du, ein letztes mal, und dann doch wieder und wieder. Szomorú vasárnap, denke ich, sie singt es in der falschen Sprache, es ist nicht richtig so, es ist alles falsch. Utolsó vasárnap.
Ich bin nicht hier. Nur eine Hand und ein Glas und das Lied, und es ist nicht Sonntag, hörst du. Noch nicht gleich.
von Kindermund
Sich einer Sache sicher zu sein, das heißt auch nur, dass der Hormonspiegel temporär konstant ist.
von Cat
Du im Pelzmantel: Eine überragende Erscheinung unter der Schwachstromglühbirne.
In mir erwacht eine Kindheitserinnerung
(Muschelmärchen, der Klang deines Lachens, der liebenswerte rosa Bikini, den du hasstest. Du hast den Mantel getragen)
und daran liegt es wohl auch, dass ich mir einen Milchkaffee bestelle.
Wir sollten die Chance auf einen Neuanfang haben dürfen, denke ich.
Die Medizin gegen Herzversagen wie gewohnt auf Ex. Ich stehle dir den Zucker, mit dem du Kreise auf den Tisch zeichnest.
Nasser Betongeruch lockt mich von draussen. „Ich gehe schon mal vor.” … “Ich gehe.“
Unbewegt liest du weiter im Weltgeschehen und bist schön in deiner Grausamkeit.
von Kindermund
Ein Jahr Schülerverzeichnis: Happy Birthday! Zuerst kam es wohl allen wie ein temporärer Wahn vor, inzwischen hat was verpasst, wer nicht mit drin ist. Es war alles ganz neckisch, mit einem lustigen Steckbriefformular, das Eingaben à la Amélie forderte, wie „Was ich mag: … wenn die Schokolade auf meiner Zunge zergeht“, mit Interessengruppen und Freundesnetzen. Inzwischen kann man das Leben eines aktiven Schülervz’lers bis ins kleinste Detail nachverfolgen, auch ohne dass derjenige sein Tagebuch online stellt (Was es allerdings auch gibt…)
Gruppen sind inzwischen keine bloßen Interessenbekundungen mehr, sondern Statements („Unser Matheunterricht ist unter aller Sau“), Geheimgrüße („dkbbdgqdsd“), Hassparolen („Falko stinkt“), oder einfach Unsinn („Gruscheln ist was für Kinder. Wir Grumsen.“[Gruscheln ist eine Mischung aus Grüßen und Kuscheln. Muss ich erklären, was Grumsen ist?])
weiterlesen…
von A.J.
Grad sah ich einige Raben,
fast schon vom Zwielicht verschluckt,
im brechenden Himmel sich baden,
erst, und dann niedergeduckt
im gleichfarb’nem dichten Geäste
sich niederlassen zur Nacht.
Ihr flackerndes Auge bewachte
verlorene Schätze: die Reste
zerbrochener Scheiben,
die, längst vergessen von uns,
Kostbarkeiten doch bleiben
in anderem Auge.
Gläsern, die Perle. Tropfend im Staube
rollte sie tanzend hinab,
und ihre Brüder im Kampfe
folgten als nasse Armee
stürzend ihr nach in die reißende See
einer Pfütze. Die Raben, ganz glatt
nun gewaschen, standen an Glanze
dem flüchtigen Spiegel nicht nach.
Fast schon schlief ich
doch Gott sei Dank rief mich
ihr heiseres Krächzen noch wach.