von ungesagt
habe mein gesicht abgelegt.
damit du mir je nach laune
eins aufsetzen kannst.
am ende warst du es,
der gar keins hatte.
und ich sitze in meinem mausoleum.
und mir passt auch keins mehr.
Ach, ja, wahrscheinlich seid Ihr es müde, Ratschläge von alten, von mittelalten Männern und Frauen anhören oder durchlesen zu müssen, und, unter uns: Mich langweilt es, welche zu erteilen, abgesehen von meiner Kompetenz, ein trauriges Thema, und ich langweile mich nicht gerne in meiner Freizeit. Mein Chef möge es mir verzeihen, und mich nicht morgen mit den Worten begrüßen: „Wie lange sind Sie eigentlich schon hier, morgen mal nicht mitgerechnet…“, aber ich langweile mich in meinem Job schon genug, trotz des Stresses, es ist eben ein langweiliger Stress. Also erzähle ich lieber kleine Anekdoten, und wer errät, welcher Ratschlag darin unglaublich raffiniert versteckt ist, und wem ich noch dazu einen Preis gönne, der erhält einen von mir. Könnte sein, dass „langweiliger Stress“ schon ein Hinweis ist. Muss aber nicht. Sein.
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von Wechsel-Haft
Das Auto ist alt. Aber es fährt. Es rast mit klappernden Türen um die Küstekurven. Weiß angemalt mit Acryl. Die Sonne scheint, das Meer ist ruhig.
Ein Junge streckt seinen Kopf aus dem Fenster des Autos. Der Wind zerzaust sein dunkles Haar. Streicht in seine mürrischen Züge. Im Kassettendeck des Autos plärren die Beatles ‘Here comes the Sun’. Endlos ist der Weg. Seit 36 Stunden unterwegs. Endlosen Strassen durch Wälder, Wüsten, Städte folgend. Der Junge verschwindet aus dem Fenster. Legt sich auf die Rückbank und schaut in den Himmel über dem Meer. Das Brummen des Motors schallt an den Klippen ab, geht unter im Meer.
Das weiße T-Shirt des Jungen flattert im Durchzug. Sein weißer Bauch zeigt Narben von Kämpfen.
Sein Blick gleitet weiter über den Himmel. Manchmal zerscheiden Möwen das Blau. Manchmal kleine Wölkchen. Dann lächelt er. Während das Auto immer weiter gen Süden fährt.
von ungesagt
budapest.bukarest.prag.ich werde dir aus jeder stadt eine karte schicken.st petersburg.da werde ich anfangen.weil das heimat ist.und damit ich ein mal weine.und dann nie wieder.dann.krakau.weil ich es schön finde dort.und zürich.weil ich denke diese stadt wirst du mögen.und luzern.mit dir am see sitzen.nur ohne dich.kopenhagen.dublin.ich werde dir im schnee schreiben.ein mal möchte ich,dass der himmel schneit.wenn wir zusammen sind.und im regen.paris.ich werde dir von den französinnen schreiben.ich werde schreiben,dass du ruhig bei mir bleiben kannst.weil sie auch nicht schöner sind.und keine angst.ich schreibe dir nichts über mich.immer nur über welt.du wirst dich nicht langweilen.ich werde dir bilder schicken.in meiner handschrift.damit du die welt lesen kannst.wie ich sie sehe.damit du ein bißchen sehen kannst.damit ich ein bißchen bei dir bin.ich werde so wenig schreiben wir möglich.vielleicht ein paar worte.vielleicht nur meinen namen.damit du ihn endlich kennst.meinen namen.vielleicht denke ich mir für jede stadt einen anderen aus.damit du dich nicht langweilst.ich werde keinem sagen wozu ich sie brauche.diese ganzen postkarten.diese ganzen briefmarken.und während jemand meine hand hält,schreibe ich dir.mit der freien hand.und wenn ich dafür mit links schreiben lernen muss,werde ich lernen mit links zu schreiben.wenigstens meinen namen.
und andere werden mir zusehen.wie ich rauche.oder wie ich trinke.vielleicht werden sie mich nach hause tragen,wenn ich betrunken bin.wo auch immer zuhause ist.sie werden mein gesicht anfassen und mir zwischen die beine greifen.wir werden über bücher reden.oder worüber auch immer.oder über rein gar nichts.
aber dir werde ich schreiben.
von Micchan
In meinem Schuh, das ist ein Stein
der ist erstaunlich spitz und klein
er kommt mit mir, wohin ich geh’
und piekt mich in den großen Zeh
mit meinem Fuß schieb ich ihn weg
doch als er sich gerührt vom Fleck
taucht er am Ballen wieder auf
und ich tret’ immer wieder drauf!
Ich entschliesse: Er muss raus!
dann zieh’ ich meinen Schuh mir aus
bertrachte das gemeine Stück
das mich hat in den Fuß gezwickt
ja, dieser winzigkleine Stein
war ein recht großer Klotz am Bein
Nur als Warnung, für die jungen oder naiven Kollegen unter uns: Es gibt im Leben, während eines Lebens, Angewohnheiten, die zur Sucht werden können, nicht nur bei labilen oder entsprechend veranlagten Menschen. Es beginnt ganz harmlos, und irgendwann kann man nicht mehr damit aufhören, die Sucht beginnt das Leben, den Alltag zu bestimmen, es folgt der soziale Abstieg oder so etwas, einige von Ihnen werden mir das bestätigen am Schluss.
Ich heiße Andreas, ich bin Vordemeinschlafenleser. Es begann, siehe oben, ganz harmlos, in der Kindheit, es war verboten, ab einer gewissen Uhrzeit zu lesen, und in dem Verbotenen lag der eigentliche Reiz, der Nervenkitzel, der Sinnesreiz als Anlage für das spätere Verderben. Dann die Schulzeit, die späte, man schaffte seine Pflichtlektüren tagsüber nicht, und so las man sie nachts. Konnte man sich so angeblich auch besser merken, den Inhalt, für den nächsten Tag, die ersten Ausreden für den schleichenden Zerfall. Als Erwachsener zur Entspannung, abends ein paar Seiten, nicken Sie ruhig betroffen: Sie haben ja Recht.
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