Starallüren

von Kindermund

 Ach, war das wunderbar, damals nach dem Anfängerkurs „Gesellschaftstanz“ auf dem Ball zu sein! Meinen Partner mochte ich nicht besonders, die anderen konnten alle viel besser tanzen. Aber genau deshalb war ja der Ball so toll, da konnte ich mit allen anderen tanzen. Auch als A-Kursler wird bei uns aufgetreten, es werden die gelernten Sachen zum ersten Mal vorgeführt, man ist tierisch aufgeregt und tierisch erleichtert, wenn dann (fast) alles geklappt hat. Die Mädchen in unglaublich hübschen (und teilweise sicherlich auch teuren) Kleidern, die Jungs immerhin im Anzug, das war echt mal was anderes. Vom Partner gab es einen (mehr oder weniger) schönen Blumenstrauß. Das Ganze hatte schon eine schicke Atmosphäre. Sehr fein haben wir uns da alle gefühlt und sehr erwachsen.

Inzwischen bringe ich die Blumen meiner Mama. Sie stellt sie dann immer in die Vase im Wohnzimmer, wo sie trocknen und schön aussehen, bis der nächste Strauß kommt. Mir zu jedem Ball ein neues Kleid zu kaufen, habe ich nach dem zweiten aufgegeben, – das geht ins Geld. Die Möchtegernglitterglamour-Atmosphäre der Bälle geht mir langsam auch ganz schön auf den Geist. „Mama, holst du mich ab“, blöke ich direkt nach dem Programm ins Telefon. „Sonst wolltest du immer, dass ich dich so spät wie möglich abhole“, antwortet sie.

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Ungelenk

von Kindermund

Zu meinen Füßen liegst du außerhalb meiner Reichweite.

Gelesen

Lesung in Essen

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Am 10.November fand die erste „Pott-Lesung“ in Essen-Steele statt, wie angekündigt lasen die Autoren Esther Pollok (Wechsel-Haft) und Andreas Hempler (Wupperzeit).

Insgesamt eine gelungene Veranstaltungen, Publikum und Akteure waren zufrieden oder mehr, anschließend eine kleine Feier, wie üblich bei uns.

Die Resonanz hätte größer sein können, aber: Es war ein Anfang, und aller Anfang ist schwer, wie es heißt. Mal sehen, wie es bei der nächsten Lesung aussieht…

einszuvierzehnmillionen

von A.J.

Dir wird nichts passieren, wenn du tust, was ich sage”, erzählt er ihr. Dabei lügt er, denkt er, es passiert immer etwas, irgendetwas, und wenn es nur ist, dass einem das Herz gegen die Brust schlägt oder ein Vogel auf das Autodach scheißt, so etwas passiert einfach, ohne dass man in dem Augenblick etwas dagegen tun könnte. Er lügt also, denkt er, aber was soll er ihr sonst erzählen, er muss ja etwas sagen, und vielleicht glaubt sie ihm es ja sogar, schön für sie, er glaubt es ja selber nicht, denn er weiß ja, dass es anders ist. Es passiert immer irgendetwas, denkt er, und man hat gar nichts in der Hand, um etwas zu tun in dem Moment. Er hat also gar keinen Einfluß darauf, denkt er: keinen. Aber irgendwas muss er ja erzählen, denn sie erzählt ja nichts. Er versteht überhaupt nicht, warum, er hätte so vieles zu erzählen in so einem Moment, denkt er, denn so etwas passiert einem ja nicht alle Tage, und dazu muss man doch irgendwas zu sagen haben. Aber sie zieht es scheinbar vor, nichts zu sagen zu haben, denkt er, sitzt einfach nur da, hinten auf dem Rücksitz, und beobachtet ihn im Spiegel. Natürlich, denkt er, sie kann mich ja nur im Spiegel sehen, ansonsten sähe sie ja nur meinen Hinterkopf, und wer will den schon gerne sehen, da sieht man nur meine Schuppen und sonst nichts. Gott, denkt er, ich hätte meine Haare waschen sollen, wie sieht denn das jetzt aus, sie starrt die ganze Zeit auf meinen Hinterkopf, und mir rieseln die Schuppen herunter, was denkt sie da wohl. Er wüsste sowieso gerne, was sie denkt, aber sie sagt ja nichts, sondern sitzt nur da, und hört ihm zu, wenn er ihr immer wieder wiederholt, dass ihr nichts passiert, wenn sie tut, was er ihr sagt. Aber was sage ich eigentlich, denkt er, ich sage ihr ja gar nicht, was sie tun soll, was sollte sie auch schon tun, man kann ja nicht viel tun in einem Auto, entweder man fährt oder man sitzt und schaut aus dem Fenster, da kann man nicht viel falsch machen. Und sowieso, denkt er, sollte niemand irgendwem sagen, was er tun soll und was nicht, das muss jeder selber wissen, die Leute schreiben viel zu oft anderen Leuten vor, was sie zu tun und was sie zu lassen haben, das sollte man nicht tun, denkt er, denn: jeder muss frei sein zu tun was er selber will, so sollte das sein. Aber selbst wenn einem die Leute nicht sagen was man tun soll schreiben sie es einem vor, denkt er, sie sprechen es nicht aus, aber sie schauen einen so an, wenn sie denken, dass es nicht das richtige war, was man getan hat, sie schauen einen so an, dass man ein schlechtes Gewissen bekommt, und beim nächsten mal traut man sich dann nicht mehr, selbst wenn es gar nichts falsches war, was man getan hat.

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Gelesen

Von gestern

von Kindermund

Klacklacklack geht es hinter mir an der Bushaltestelle und instinktiv drehe ich mich um, in der Erwartung, eine junge Frau zu sehen. Stattdessen sehe ich mich mit einem Mädchen konfrontiert, das dreinschaut, als versuche es, arrogant dreinzuschauen. Es geht in die Klasse meines Bruders, ist also zehn oder elf. Klacklack machen die Pfennigabsätze der kniehohen, schwarzen Stiefel, in die das Mädchen seine knallenge Jeans gesteckt hat. Dazu trägt es einen Trenchcoat (vielleicht ist es auch keiner – ich habe keine Ahnung von so was) und riesige silberne Ohrringe (Papageienschaukeln). Ach ja, und: Wimperntusche und quietschbunten Lidschatten. Verona Feldbusch in klein. In ganz klein. Mein Bruder und seine Kumpels sind noch in ihrer Iiih-Mädchen-Phase. Für wen verkleidet sich das Mädchen dann so? Für die großen Achtklässler?Klacklacklacklacklacklack geht es aus der gleichen Richtung. Und um die Ecke kommt eine ganze Meute solcher Mädchen. Nicht genug, dass die sich so auftakeln müssen, sie sehen auch noch alle gleich aus!

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Wer bist du, dass du mich traurig machen darfst?!

von Wechsel-Haft

Es geht eine Nacht auf und ein Tag flieht verscheucht. Dann gehen vier Sonnen vorüber und beißen in die Welt. Es folgt eine weitere Nacht. Die Tage fallen aus. Drei weiße Boote zerschneiden die Zeit und hinterlassen ungewollte Spuren. Was glaubst du, wer du bist, dass du dir alles nehmen kannst, was du zuvor ausgeschrieben und mir ins Auge gepflanzt hast?! Seit Nächten klirren die Gläser in meiner Umgebung, so sehr schreit meine Stille, so sehr surren, singen, reißen meine Sinne. Ein Hohn ist der Regen, der seit Tagen gegen meine Fenster hämmert, wie um mich zu erniedrigen, mich niederzupressen in meinen zerflossenen Illusionen.
Die Bestätigung meiner Wahrnehmung.
Deine Worte waren es, deine letzten Worte, die du dir hättest sparen sollen. Es war eingeschlafen, das unruhige Gefühl Sehnsucht, nun schreckt es wieder meine Adern hinauf und malt Bilder auf meine Lippen.
Mein Atem bebt empört, mein Zorn jagt mich fort. Greife ich mir mein Schwert und schlag deine Worte durch—
Wir haben nichts zusammen geschrieben, nur voneinander. Wir haben auch keinen Kaffée gemeinsam getrunken und uns auch nicht dazu getroffen, was wäre geschehen, wenn…? Welcher Dämon macht Dich so feige?
Schweig es mir!
Ich will nicht nur deine Albträume.
Ich will mehr.
Dich, maskenlos.

Gelesen

Esther liest

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Frau Wechsel-Haft liest, Esther Pollok liest, - ein erster Eindruck von der Lesung in Essen, später mehr, hier und auf den bekannten Seiten.

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