Chade trommelt mit den Fingern auf die Platte des Chromtischchens. Sein Blick glänzt nervös über die tanzenden, zuckenden Gestalten, Gyrostabilisatoren, Orthoskins, Cybertittchen. Er switcht seinen Geruchbooster für das Millionstel einer Sekunde in den Bereitschaftsmodus - fuck, dieser Schweißgestank - Geruchsfilter aktiviert - initializing - und genießt den unterschwelligen Geruch unzähliger maßgeschneideter Pheromone, die in seine Sinne dringen. Begierde, Lust, Erregung, Männlichkeit, Aggression, Dominanz - fuck - und switcht das verdammt Gerät aus. Stellt fest, dass sich seine Hand zur dermalgepanzerten Faust geballt hat, flucht, schaut sich um.
Auf dem Weg zum Bus nach der Schule war es anders, ich wusste erst nicht warum, ich hatte die Augen geschlossen wie immer. Bis ich dann über die ersten Sonnenstrahlen fiel.
Seit Freitag scheint die Sonne.
Heute ist Sonntag und mir ist wieder nach Soaps im Fernsehen anschauen und mir ist nach Schokoeis an orangefarbenen Tagen. Mir ist danach, mich einladen zu lassen.
Habe ich Winterdepressionen? Mir ist, als wäre ich aufgewacht.
Ich bin traurig. Traurig, weil der Winter einfach so verstrichen ist, und ich hatte die Augen geschlossen. Ich sage immer, ich komme mit dem Winter klar, aber mit dem ersten Stück sonnenbeschienenem Asphalt fällt es mir wie Schuppen von den Augen.
Ich will mir ein Sommerkleid kaufen, um die Sonne zu zelebrieren. Es gibt nichts schöneres, als im Frühjahr, wenn die Sonne scheint, sich daran zu erinnern, dass die Welt nicht grau ist.
Als ich heute morgen aufgewacht bin, ist mir seit vielen Tagen wieder einmal aufgefallen, wie gut ich mich fühle. Hammergut. Supergut.
Nachdem ich geduscht, mir mein neuestes Top und knallenge, perfekt sitzende Jeans angezogen hab’, war ich – mit meiner Lieblingsmusik im Hintergrund – bereit, mich nackt auf die Straße zu stellen und zu schreien, dass ich zu allem bereit bin. Die Energie floss mir durch den Körper, ich vibrierte vor Spannung. Es wird Zeit, dacht’ ich mir, tu was!
Dann lag die tote Maus da, vor der Küche, sie hat sie gesehen. Unsere Katze hat die Maus getötet, das ist die Natur, getötet und liegen gelassen. Nur war sie überrascht, dass ihr kleiner Liebling das kann, sie hat das ignoriert, das Animalische in Allen. Seitdem sieht sie die Katze anders an, die Katze und dann mich.
ich inszeniere ein leben.
dazu braucht es nicht viel – eine tüte mit brötchen, spülmittel, haarbürste. ich benutze sie regelmäßig und lasse sie offensichtlich, fast höhnisch herumliegen. dazu ab und an ein gewagter blick in den himmel (wer spielt ist mutig), um dem telefon den durst stillen zu können. die teesammlung steht verschlossen im schrank, die bücher liegen unter der bettdecke.auch die brötchen. ich glaube nur ihnen, brötchen lügen mir nichts vor. ich warte, bis der vorhang wieder fällt
er fällt auf uns, um mich zu wärmen. du hast mich wirklich lange warten lassen in der brötchen-hölle. jetzt schmier mir eins mit butter (bitte, bitte) und paß auf, der tee ist noch heiß
Es ist der Staub, der mich so brüllen lässt.
Ein nervöses Wrack, das auf dem
Untergang treibt.
Der blinde Spiegel, der da nur Fratzen zeigt,
Ein Knoten drumgeschlungen und so fest zu Staub gepresst.
Auf den Händen glitzern die Flächen mit ihren Kerben.
Ein nervöses Wrack, das auf dem
Untergang treibt.
Es ist der Staub, der mich so brüllen lässt.