Vom Suchen und Finden einer Kolumne

von Chimeira

Vor ein paar Tagen trat Wupperzeit an mich heran, mit der Frage, ob ich nicht einmal Lust hätte, mich an einer Kolumne zu beteiligen.
Ich war begeistert. Ich schreibe zwar nicht sehr gut, dafür aber sehr gern. Und aus diesem Rausch der Begeisterung heraus habe ich nicht lange nachgedacht, sondern sofort ja gesagt.

Tja, und nun sitze ich hier und versuche eine Kolumne zu schreiben. Worüber weiß ich nicht, mein Kopf ist im Moment so leer wie…. ähm…. nicht mal ein Vergleich fällt mir dafür ein.

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Eine Jugendanthologie

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Als Projekt im Rahmen der Jugendarbeit entsteht zur Zeit die Jugendanthologie bei KeinVerlag. e.V., eine Anthologie, die komplett von jugendlichen Autoren von keinverlag.de gestaltet und herausgegeben wird. Das Projekt wurde lediglich beratend betreut von dem ehemaligen Jugendvertreter unseres Vereines, Andreas Hempler, ansonsten wird das Buch vom Cover bis zur Textauswahl, und allem, was sonst dazu gehört, komplett von den 13 bis 21jährigen Autoren editiert werden. Nähere Angaben über den Ablauf und die Form dieser Arbeit finden sich bei keinverlag.de und auf dieser Seite .

Die Jugendanthologie ist ein erster Schritt zu einer Intensivierung der Jugendarbeit unseres Vereines, weitere Projekte sind in Planung, - die Jugendarbeit ist ein wesentlicher Bestandteil der Vereinsarbeit und soll es auch bleiben.

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Das konnte sie wirklich:

von dunkelkind

Sagen Sie, kennen Sie das Gefuehl lediglich zu existieren, aber nicht zu leben?
Vor sechs Jahren, kannte ich einmal ein Maedchen, das mir von diesem Zustand berichtete. Vielleicht waren es auch sieben. Sehr wahrscheinlich sogar.

Sie war morgens blind fuer die Sonne und taub fuer das Gezwitscher in den Baeumen. Sie verpasste die ersten Sonnenstrahlen auf Ihrer Winterhaut und konnte nicht einmal den guten australischen Rotwein, den ich ihr mitbrachte - monatelang gelagert, aus reifen Trauben - schmecken oder gar schaetzen. Nein, das konnte Sie wirklich nicht. Es schien mir, als haette sie es verlernt, das ganze Fuehlen und Sehen und Schmecken. Verlernt, weil sie es mal gekonnt haben musste.
Denn sie wusste darum und sie bedauerte.

Sie bedauerte sich und die Welt und ihr Nicht. Vielleicht trauerte sie auch ein wenig; sehr wahrscheinlich sogar. Sie trauerte naemlich sehr oft und dann sehr ausgiebig. Oh ja, dafuer nahm sie sich Zeit. Im Trauern war sie die Beste - das duerfen Sie mir glauben.

Ich glaube nicht, dass sie diese Lethargie mochte, denn sie mochte den Winter nicht und all den Schnee und die Weihnachtslieder. Ich konnte spueren, dass sie wieder aufwachen wollte und lachen und den Tag bejahen und leben. Einfach so leben. Ich habe mir das nicht eingebildet.
Und sie schaemte sich, ja auch damit konnte sie umgehen. Mit Scham. Sie war selten gluecklich oder zufrieden, nur kurz nach aussen, weil man das nunmal ist. In der Oeffentlichkeit und vor Den Anderen.

Sie machte mich fuehlend, wenn ich sie so sah, wenn sie es auch nicht war. Und vielleicht war es gerade das - ich wollte fuer sie mitfuehlen, sie erfuehlen, sie fuehlen lassen, wie es sich anfuehlt. Ich wusste, dass sie sich freuen wollte, ueber das was sie hatte. Sich freuen, ueber das was sie vor sich hatte. Sie hatte nichts vor, aber sie hatte etwas vor sich. Und ich glaube schon, dass sie wollte. Sehr wahrscheinlich sogar.

Aber sie war einfach zu gut.

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Willkommen im Überwachungsstaat

von para.gone

„Willkommen im Überwachungsstaat“, begrüßte ich neulich einen guten Freund, als er, schwer bepackt mit einem Tablett, auf dem er Teller, Kuchenstücke und eine Kaffeekanne balancierte, die Treppe zu seinem Zimmer heraufgestolpert kam.

Stolpern tat er dann auch tatsächlich, aber mehr über meine kryptische Begrüßung als über seinen treudoof grinsenden Türstopperdackel. Mit einem Nicken in Richtung seines leise surrenden Rechners teilte ich ihm mit, dass „lordhammer“*) im Laufe der Viertelstunde, die mein Freund mit Essensvorbereitungen in der Küche verbracht hatte, dessen ICQ-away-Message**) ganze neunmal gelesen hatte. Er hatte die Nachricht „Bin weg, Besuch.“ neunmal gelesen. Neunmal.

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Hitze: Schlag- Schräge Gesellen und schöne Geister

von Wechsel-Haft

Erdlochbohrer und Siebenbartwickler tranken kiokeske Cola, als ein buntgerippter Schöngeist von seinem geheimen Unglück kam. Er sprach die Beiden an, ob sie an einem Schwitzbad interessiert wären. “Alles gern, nur nicht das.”, antworteten sie. “Wir entwickeln nämlich Feuerreime und die Verse müssen brennbar bleiben. Der buntgerippter Schöngeist zwang nie jemanden und fuhr allein in den Urlaub. Er sah viel Kunst und auch Hundegedichte gaben sich zu erkennen. Wau-Lyrik ließen ihn sein Glück finden.

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Über Kant

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Meine Favoritenliste: Bekanntschaften im Regen oder Schnee, oder ohne, eine lange Liste, immer länger im Laufe der Zeit. Zum Beispiel: die Dicke an der Ampel, an der ich nicht vorbei komme mit meinem Schirm, ich muss warten, bis sie über den Übergang geschnauft ist, gut: sie kann nichts dafür, ich weiß, es regnet ständig, darum die Drüsen und der Frust, ich bin selber dick. Oder der Skinhead an der S - Bahn, Hey, Mann, kann ich Deine Socken haben, für meinen Hund, und als er mich anfasst mit seinen Dreckpfoten, ich überlege: in welchen der Abfalleimer an den Bahnsteigen ich den Rest von ihm nachher stopfe, aber er weicht zurück, der Selbsterhaltungstrieb der Kreatur hat sich durch den Biernebel gemeldet, und: er kann nichts dafür, seine Mutti hatte ihn nicht lieb, ich weiß, meine mich auch nicht. Oder die Verkäuferin im Drogeriemarkt, Darf ich Sie ansprühen, das Probefläschchen auf mich gerichtet, nein, danke: seit Jahren verströme ich den selben Duft, mein Revier zu markieren, also gut: sie kann nichts dafür, sie verdient ihr Geld, ich weiß, ich selbst mache das fast jeden Tag. Oder die Buchhändlerin, heute, als ich ein Buch für einen Freund kaufen wollte, Geburtstag und er hält sich für gebildet, weil er nichts von Fußball versteht, also, Frau Bookmanagerin, Frau Buchphilosophin, wir sind heute alle Manager oder Philosophen und beides, irgendetwas mit dem Kategorischen Imperativ, bitte, zwei Kilo, aber frisch, wenn`s geht, danke, aber sie bietet hier keinen Kant an in diesem Schuppen, keines seiner Bücher, und abends schreibt sie Gedichte, die veröffentlicht sie in Foren, gepflegt nach drei Gläschen Sekt, und man ist höflich und nett in diesen Foren, man kann Texte empfehlen und favorisieren, nicht: von ihnen abraten, vor ihnen warnen, und ihre Gedichte sind schlecht, grottengrottenschlecht, Stein auf Bein auf Sein, Wand auf Rand auf Kant, ach, ja: -sie kann nichts dafür, Frau Buchphilosophiemangagerdichterin kann sich nicht abfinden mit der Banalität ihrer Existenz, Fett und Dreck und Gestank für Geld, oder weil uns unsere Muttis nicht geliebt haben, wer weiß, ich veröffentliche selbst in Foren, eine lange Liste, eine Favoritenliste, eine Favoritenmanagerphilosophenliste, eine Fettdreckgestankgeldliste: Bekanntschaften im Regen oder Schnee, oder ohne, Frau Beautyphilosophin und Herr Skinheadmanager, Frau Drogeriemarktdichterin und Herr Weisheitsweißnichtsfreund, Frau Buchhandelsbeautyskinheadweißnichtsdichterin, Herr Revierverteidigungsfavoritenlistenschneeregenschwätzer, oder Kant, der nicht gelesen, favorisiert oder empfohlen wird, dessen Kategorischer Imperativ Schnee ist und Regen, oder ohne: ich weiß.

Texte

Ich bin nicht stumm

von tausendschön

Ich bin nicht stumm. Ich habe nur keine Worte. Du hast sie über das Wasser springen lassen. Eines nach dem anderen ist funkelnd untergegangen. Ich habe sie Dir geschenkt, weil Du weißt, wie man Worte zum Leben bringt

der Tümpel glitzerte und das Wasser wog sanft.
Ich öffnete den Mund zum Schrei

(da fielen mir die Worte aus, es gab einen Platsch und sie
sprangen nicht, sie sanken lautlos bis zum Grund
kein Glitzern, der Tümpel stand leblos
und ich atmete nicht)

Eines Tages werden sie leicht sein und sie steigen und sie treiben ans Ufer. Ich suche sie nicht, denn ich bin nicht stumm.

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