Ein Letztes: Geh. Dicht.
von Wechsel-Haft
Unter der Decke. Das Laken ist noch warm. Immer noch. Die Träume haben darin Mühle gespielt oder Schach, was weiß ich.
Ich habe Krieg begonnen.
Es war schwer, und vernünftige Gründe gibt es eigentlich immer noch nicht. Vielleicht: Ich hasse Dich…! Aber nein, das reicht nicht, um dich zum Feinde in spe zu machen.
Gestern bin ich in eine Grube gefallen, unter die Decke. Die Wände haben die Schultern abgeschabt, so dicht standen sie. Flügel werden uns in den nächsten tausend Jahren auch nicht mehr wachsen. Da kann ich getrost und ruhigen Gewissens auf meine Schultern verzichten.
Ich will kein Engel mehr sein. Ich war es nie. Die Gleichgültigkeit hat andere Wege ihr Gewicht zu zeigen als durch Schultern.
Jetzt allerdings wachsen mir Klingen zwischen Fingern und aus Blicken, die die Bedrohung durch Gleichgültigkeit revidieren.
Seit Tagen spukt Rattengift in meiner Brusttasche und die nicht unbedingt unvernünftigsten Pläne, es dem unterzumischen, das dir am wichtigsten ist, nämlich du selbst.
Aber das ist noch die offensichtlichste Geheimwaffe. Leider habe ich nicht vergessen, dass ich eine Frau bin.
Besessenheit ist eine Faustregel. Das leere Bett ist noch immer warm. Der tote Schatten wärmt es. Selbst in der Grube hat man von London gehört. Die Unruhe war in der ganzen Stadt zu fühlen.
Die Leiter aus der Grube war auf der höchsten Sprosse beschwert, als die vier Explosionen an Ohren herangetragen wurden, und brach durch das neue Gewicht endgültig.
Die Welt hatte einen Korb vergeben. Menschen haben sich eine neue Wunde geschlagen, eine kleine zwischen den Siechtümern. Der Horizont ist zu klein. Terrorismus auf beiden Seiten. Es ist Krieg. Selbst mir.
In der Grube ist es schön. Meinen benieteten Vogelring hat man dort wiederentdeckt. Den Trauzeugen auch, er ist tot. Die Seiten sind zerrissen.
Der vergangene Mittag stand in Leuchtfeuern. Sie sind nicht mehr zu löschen, nur zu regulieren. Aber haben Sie an die Vernunft gedacht? Die Zeit der Aufklärung ist vorbei. Zumindest die des gesunden Maßes. Da waren wir auf einen gutem Weg, liebste Welt. Nun sind wir verhärmt in stummem Streit. Und ich weiß, dass du im Stillen weinst. Du bist nicht grausam. Du bist nicht falsch.
Ich hasse dich dafür, denn ich liebe dich. Kann nicht anders…
Dir ein Schnippchen schlagen, wäre mich selbst aufs Kreuz zu legen. Mich zu töten, wäre dich zu töten. Dich töten… kann ich nicht. Abgesehen von der unmöglichen Umsetzung in die Praxis. Natürlich. Vernunft. Abgesehen davon.
Das Rattengift ist aus der Tasche gefallen- oh Baby, was schallt hier gerade hinab? Die Wände kreischen. Meine Freunde sitzen im Knast. Idiotin. So willst du mich kriegen. Emotionale Erpressung nennt man das, Welt.
Dass du mir meinen Gott genommen hast, aus Eifersucht, hätte ich überlebt, irgendwie. Aber meine Freunde…
Spinnen kriechen in mein Fadenkreuz. Färben sich rot. Treiben dich ekelhaft durch das Feld Musik. Bist du häßlich geworden, die letzten Tage.
Welt, wir führen Krieg einander zu. Die Arme ketten sich an das leere Bett und durch Gott-Haar fließen meine letzten Träume ins Nimmerwiedersehen. Nie habe ich ihn mehr gehasst, als jetzt. Geh in den Himmel. Geh in den Himmel. Geh in den Himmel. Gott ist tot. Der Himmel schreit uns an.
In der Grube hört man nur das Echo. Ich schieße um mich und treffe nicht. Sie haben gerade das Todesurteil verkündet: Tod durch Liebesentzug.
Der Grubenboden ist ölig. Das Bett bleibt ausgesaugt zurück.
Jesus wird nicht kommen. Jesus kam nie. Die Er lösung hat sich atemlos gerannt. Feige Sau. Ein letzter Wunsch geklatscht in virtuelle Farbpunkte: Sex mit Gott. Dies ist nicht erlaubt.
Ach, verpiss dich, Welt, geh mit dem Affenkönig.
Aber geh,
Katharsis.
Nein, mein, komm zurück, komm zurück. Ich hasse dich? Ich habe gelogen. Habe dir eine Maske von universeller Bedeutung aufsetzen müssen. Du hast mir immer den Hintern gerettet. Ohne dich kann ich nicht leben. Ohne dich kann ich nicht sterben.
Ewiger Student Gott kommt dich doch noch besuchen. Gib ihm mein blutendes Herz als Lehrbuch für Anfänger, Kind.
Bitte, die Grube ist eng. Ich atme nicht mehr. Bitte um Asyl, Welt, Liebste. Wollen wir gemeinsam sterben?
Schlag mir die Messer aus den Augen, komm schon. Küssen werde ich dich. Ewiglich. Immer.
Das Bündnis steht. Wir gegen alle. Lass uns Gott wecken gehen, aber langsam, ja?
Sunday, bloody sunday.
Wir werden sie alle kriegen, Verräter an dir und mir. Und wir befreien meinen Gott aus deinen Feindesketten und bügeln uns knittrig, Ohne ein Zeichen. An meine Brust, Liebste, dort bist du echt, Kind.
Ach, ein letztes. Geh. Dicht:


