Kalender

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Gelesen von Grufti.Ente

Jeden Tag schreibe ich ihren Namen in meinen Terminkalender mit schwarzer Tinte: morgen kommt sie ganz bestimmt, aber sie kommt nie. Wie viel Tinte verschwende ich jeden Tag, wie viel Papier, wie sieht der Kalender aus: alles durchgestrichen, wie bei einem Verwirrten. Nicht nur der Kalender von diesem Jahr, auch der vom letzten und der vom nächsten bestimmt. So viel Tinte, so viel Papier, so viel Unordnung, so viel Zeit.

Herzen und so.

von Kirschprinzip

Meine Eltern sind scheiße.
Meine Haare sind scheiße.
Meine Art zu rauchen ist scheiße und erotisiert mit langen Beinen und merkwürdig abgefahrenen Nylonstrümpfen weder eine Haselmaus noch mich selbst.
Verbrochene Begebenheiten im Extrem und ich sitze bei Thunfischtatar und einem wichtigen Gespräch neben Edmond, um mich zu verabschieden zum Beispiel und Erklärungen abzuliefern.
“Hör mal zu, Edmond.”, sage ich und zerspüle meine Vernunft mit dem letzten Schluck des unerlaubten Rotweins. Wir sind Freunde. Bald werden wir uns verlieren und so weiter. Wir sitzen in Edmonds reizendem Zimmer rum, besaufen uns mit geklauter Scheiße und haben sämtliche Regelungen einer gesellschaftsfähigen Pubertät zum Tode verurteilt an diesem Abend. Stechen sie ab mit spitzer Verachtung, ertränken sie im Alkohol und fressen nebenbei stilvollen Müll.
“Ich geh weg.”
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Was ist Allgemeinbildung?

von para.gone

Das fragte sich ein Freund neulich, als er durch den botanischen Garten seiner Universität spazieren ging und dabei versuchte, die Bäume anhand ihrer Blattformen zu identifizieren. Plötzlich begann er abzuwägen, wie wichtig es wirklich ist, sich in den Grundlagen der Botanik auszukennen – oder ob es heutzutage nicht weitaus wichtiger ist, die Sicherheitseinstellungen eines Browsers bedienen zu können. Fragen wir also auch einmal: Was ist Allgemeinbildung?

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Noch eine Hamsterkolumne

Von AndreasG

In früheren Religionen hatten Namen etwas Magisches. Sie waren das Wort, das die Quintessenz des Seins erfasste, und so machtvoll, dass die Kenntnis des “wahren“ Namens auch Macht über Dinge, Pflanzen, Tiere und Menschen bedeutete. Deshalb durften nur Eingeweihte davon wissen.
Daraus entwickelte sich später die Alchemie und Zauberei, die mit Beschwörungsformeln in die Geschicke eingreifen zu können meinten. Ein klassisches Beispiel dafür, dass eine (fixe?) Idee etwas in Gang setzen kann, das sich danach tief in das Bewusstsein aller Menschen gräbt und Jahrtausende überdauert.
“Am Anfang war das Wort“ … ähm ja, auch das gehört in diese Kategorie. Genau wie das religiöse Gebot, den Namen Gottes nicht auszusprechen.

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Ein Hamster

Tja, es ist, wie es ist: ich kann immer nur eine Sache vernünftig machen, es versuchen, meine Aufgabe für heute Abend: eine Kolumne zu schreiben und an dem Projekt teilzunehmen: „Wäre ich ein Tier, wäre ich…“, ich empfehle letzteres hiermit einmal ausdrücklich. Also, wie gesagt: tja…


Gestern fand unser monatliches NRW-Treffen statt, der „Pott-Stammtisch“, ich bin mit dem Zug gefahren, dieses Mal, es war heiß, für die 40 km von Wuppertal nach Essen benötigte ich gestern 90 Minuten, wegen Bauarbeiten der Deutschen Bahn AG, es war heiß und stickig in dem Zug, Umsteigen in Hagen…Und schon in Gevelsberg stieg jemand ein mit Gitarre, Vollpsycho, das erkenne ich auf den ersten Blick, sie setzen sich meistens neben mich, und dieser traurige Tropf wollte tatsächlich etwas vorspielen, ob es jemanden störe, und mein angewiderter Blick hat ihn ermutigt, unglaublich, und dann: „Marmor, Stein und Eisen bricht…“, wie kann man das heute noch spielen, es ist ja verbrauchter als „Yesterday“, - grauenhaft falsch und kein bischen textsicher, und ich versuchte, über das Projekt nachzudenken, und ich dachte: „Wäre ich ein Tier, dann wäre ich gerne ein Hund und würde ihn in die Hand beißen.“

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Ein Letztes: Geh. Dicht.

von Wechsel-Haft

Unter der Decke. Das Laken ist noch warm. Immer noch. Die Träume haben darin Mühle gespielt oder Schach, was weiß ich.
Ich habe Krieg begonnen.
Es war schwer, und vernünftige Gründe gibt es eigentlich immer noch nicht. Vielleicht: Ich hasse Dich…! Aber nein, das reicht nicht, um dich zum Feinde in spe zu machen.
Gestern bin ich in eine Grube gefallen, unter die Decke. Die Wände haben die Schultern abgeschabt, so dicht standen sie. Flügel werden uns in den nächsten tausend Jahren auch nicht mehr wachsen. Da kann ich getrost und ruhigen Gewissens auf meine Schultern verzichten.
Ich will kein Engel mehr sein. Ich war es nie. Die Gleichgültigkeit hat andere Wege ihr Gewicht zu zeigen als durch Schultern.
Jetzt allerdings wachsen mir Klingen zwischen Fingern und aus Blicken, die die Bedrohung durch Gleichgültigkeit revidieren.

Seit Tagen spukt Rattengift in meiner Brusttasche und die nicht unbedingt unvernünftigsten Pläne, es dem unterzumischen, das dir am wichtigsten ist, nämlich du selbst.
Aber das ist noch die offensichtlichste Geheimwaffe. Leider habe ich nicht vergessen, dass ich eine Frau bin.
Besessenheit ist eine Faustregel. Das leere Bett ist noch immer warm. Der tote Schatten wärmt es. Selbst in der Grube hat man von London gehört. Die Unruhe war in der ganzen Stadt zu fühlen.
Die Leiter aus der Grube war auf der höchsten Sprosse beschwert, als die vier Explosionen an Ohren herangetragen wurden, und brach durch das neue Gewicht endgültig.
Die Welt hatte einen Korb vergeben. Menschen haben sich eine neue Wunde geschlagen, eine kleine zwischen den Siechtümern. Der Horizont ist zu klein. Terrorismus auf beiden Seiten. Es ist Krieg. Selbst mir.
In der Grube ist es schön. Meinen benieteten Vogelring hat man dort wiederentdeckt. Den Trauzeugen auch, er ist tot. Die Seiten sind zerrissen.
Der vergangene Mittag stand in Leuchtfeuern. Sie sind nicht mehr zu löschen, nur zu regulieren. Aber haben Sie an die Vernunft gedacht? Die Zeit der Aufklärung ist vorbei. Zumindest die des gesunden Maßes. Da waren wir auf einen gutem Weg, liebste Welt. Nun sind wir verhärmt in stummem Streit. Und ich weiß, dass du im Stillen weinst. Du bist nicht grausam. Du bist nicht falsch.
Ich hasse dich dafür, denn ich liebe dich. Kann nicht anders…
Dir ein Schnippchen schlagen, wäre mich selbst aufs Kreuz zu legen. Mich zu töten, wäre dich zu töten. Dich töten… kann ich nicht. Abgesehen von der unmöglichen Umsetzung in die Praxis. Natürlich. Vernunft. Abgesehen davon.
Das Rattengift ist aus der Tasche gefallen- oh Baby, was schallt hier gerade hinab? Die Wände kreischen. Meine Freunde sitzen im Knast. Idiotin. So willst du mich kriegen. Emotionale Erpressung nennt man das, Welt.
Dass du mir meinen Gott genommen hast, aus Eifersucht, hätte ich überlebt, irgendwie. Aber meine Freunde…

Spinnen kriechen in mein Fadenkreuz. Färben sich rot. Treiben dich ekelhaft durch das Feld Musik. Bist du häßlich geworden, die letzten Tage.
Welt, wir führen Krieg einander zu. Die Arme ketten sich an das leere Bett und durch Gott-Haar fließen meine letzten Träume ins Nimmerwiedersehen. Nie habe ich ihn mehr gehasst, als jetzt. Geh in den Himmel. Geh in den Himmel. Geh in den Himmel. Gott ist tot. Der Himmel schreit uns an.
In der Grube hört man nur das Echo. Ich schieße um mich und treffe nicht. Sie haben gerade das Todesurteil verkündet: Tod durch Liebesentzug.
Der Grubenboden ist ölig. Das Bett bleibt ausgesaugt zurück.
Jesus wird nicht kommen. Jesus kam nie. Die Er lösung hat sich atemlos gerannt. Feige Sau. Ein letzter Wunsch geklatscht in virtuelle Farbpunkte: Sex mit Gott. Dies ist nicht erlaubt.
Ach, verpiss dich, Welt, geh mit dem Affenkönig.

Aber geh,
Katharsis.

Nein, mein, komm zurück, komm zurück. Ich hasse dich? Ich habe gelogen. Habe dir eine Maske von universeller Bedeutung aufsetzen müssen. Du hast mir immer den Hintern gerettet. Ohne dich kann ich nicht leben. Ohne dich kann ich nicht sterben.
Ewiger Student Gott kommt dich doch noch besuchen. Gib ihm mein blutendes Herz als Lehrbuch für Anfänger, Kind.
Bitte, die Grube ist eng. Ich atme nicht mehr. Bitte um Asyl, Welt, Liebste. Wollen wir gemeinsam sterben?
Schlag mir die Messer aus den Augen, komm schon. Küssen werde ich dich. Ewiglich. Immer.
Das Bündnis steht. Wir gegen alle. Lass uns Gott wecken gehen, aber langsam, ja?
Sunday, bloody sunday.
Wir werden sie alle kriegen, Verräter an dir und mir. Und wir befreien meinen Gott aus deinen Feindesketten und bügeln uns knittrig, Ohne ein Zeichen. An meine Brust, Liebste, dort bist du echt, Kind.
Ach, ein letztes. Geh. Dicht:

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scherbenbunte angst

von Wechsel-Haft

Leuchten bunt im Sonnenlicht, die Scherben. Spiegeln im Grundton grünlich und geben sich regenbogenhaft. So gräßlich schön, ich könnte drauf spucken. Der Blick senkt sich vom Himmel hinab, ein Lot gen Mittelpunkt dieses Planeten, dessen Krankheit Mensch ist. So bunt schimmern diese Scherben, meine Krämpfe beugen den Körper schützend über sie. Meine Pupillen laufen aus bis zum Lidrand, gefangen dazwischen ein Brunnen. Leer.
Mein Gesicht voller bunter Flecken, ein Haufen Angst mit Maske. Scherbenbunte Angst.
Rot gewinnt die Überhand. Lippen kreisen drüber hinweg. Leicht geöffnet. Es riecht nach Eisen. Über meinem Kinn hinab auf die bunten Scherben. In meinem Gesicht. In meinem Gesicht, die Sonne. Die Helle auf meinem Blut. Der Erde zu. Draufgespuckt.

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